Umstellung bei DKB, ING und comdirect: Warum Sie sich jetzt eine neue Kreditkarte zulegen sollten

Focus   26/11/2021 10:36

Jahrelang gaben Comdirect, DKB und ING zum Girokonto noch eine kostenlose Kreditkarte dazu. Doch jetzt werden diese gegen Debitcards ausgetauscht. Was das bedeutet – und wo Sie trotzdem noch eine kostenlose Kreditkarte finden.

Bankkunden müssen sich schon länger auf Gegenwind einstellen. Die Zeit der kostenlosen Girokonten ist – fast – vorbei (klicken Sie hier, um noch ein kostenloses Girokonto zu finden) und auch die zum Teil üppigen Zusatzleistungen werden jetzt nach und nach zusammengestrichen. Das gilt etwa für die Commerzbank-Tochter Comdirect, die seit Mitte Februar 2021 von Neukunden monatlich 4,90 Euro Kontoführungsgebühren verlangt, wenn nicht jeden Monat mindestens 700 Euro auf dem Girokonto eingehen, der Kunde dreimal mit Apple oder Google Pay zahlt oder einen Wertpapiersparplan bespart. Ausgenommen davon sind Schüler, Studenten und Auszubildende.

Zum 1. November 2021 wurde die Regelung bei comdirect auf alle Bestandskunden ausgeweitet. Gleichzeitig wurde die klassische Visa-Kreditkarte einkassiert. Wer sie behalten will, muss dafür jetzt eine Gebühr zahlen. Stattdessen gibt es künftig eine Visa-Debitcard, die nach anderen Regeln funktioniert. Anders als eine Kreditkarte, die einmal im Monat abgerechnet wird, bucht Visa bei der Debitcard sofort vom Konto ab – ähnlich einer Girocard.

Gebühren für klassische Karten

Den gleichen Schachzug vollzieht derzeit die DKB. Auch hier wir die Visa-Kreditkarte durch eine Visa-Debitcard ausgetauscht. Immerhin bleiben Abhebungen in Deutschland sowie im Euroraum kostenfrei. Kostenfreie Abhebungen im Ausland außerhalb der Eurozone gibt es nur, wenn der monatliche Geldeingang mindestens 700 Euro beträgt. Dieselbe Regelung gilt bei comdirect.

Außerdem führt die DKB ab 1. Dezember 2021 für Neukunden eine Gebühr von 0,99 Euro auf die Girocard ein – im Volksmund immer noch „EC-Karte“ genannt. Denselben Weg geht die ING, die ab März 2022 ebenfalls 0,99 Euro für die Girocard verlangt. Die Visa-Debitcard, die es dort immer schon gab, bleibt dagegen kostenfrei.

Kritiker sehen darin bei allen drei Direktbank-Platzhirschen eine versteckte Einführung von Kontogebühren, da viele Händler in Deutschland noch immer keine Kreditkarten akzeptieren. Auch der Bargeld-Service an der Supermarkt-Kasse funktioniert bei den meisten Händlern bislang nur mit den Girocards.

Hinzu kommt, dass bei der ING wie auch der comdirect Abhebungen außerhalb der Eurozone kostenpflichtig sind – auch mit der Debitcard.

Für Kunden bedeutet die Umstellung gleich mehrere Nachteile. Zum einen bietet ihnen die neue Kreditkarte keinen Puffer mehr, wenn sie aufgrund einer größeren Ausgabe oder im Urlaub einmal kurzzeitig mehr Geld benötigen als auf dem Konto ist. Und noch etwas funktioniert bei Debit-Karten manchmal nicht: Hotels und Mietwagenvermieter blocken normalerweise bei der Buchung einen Betrag auf dem Kreditkartenkonto. Bei Mietwagen werden auf diese Weise häufig die Kautionen „einbehalten“ und nach Rückgabe wieder freigegeben.

Bei einer klassischen Kreditkarte funktioniert das im Rahmen des eingeräumten Guthabens problemlos. Bei Debit-Karten muss der Händler wissen, ob das entsprechende Guthaben im Zeitpunkt der Buchung auf dem Konto verfügbar ist; gegebenenfalls unter Einbeziehung des Dispos. Die Kreditkartenfirmen beteuern, dass das in der Praxis kein Problem darstelle. Manche Händler trauen dem Braten jedoch nicht und lehnen Debitcards als Sicherheit ab.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, dass ihn der Mietwagenanbieter nicht abweist oder auf Barzahlung der Kaution besteht, sollte sich daher nach einer zusätzlichen Kreditkarte umsehen.

Hier sind 7 kostenlose Kreditkarten für Sie

Erste Wahl sind dabei natürlich kostenlose Kreditkarten – und davon gibt es eine ganze Menge:

Die GenialCard der Hanseaticbank, emittiert über Visa, bietet neben der klassischen Monatsabrechnung gebührenfreie Bargeldabhebungen weltweit. Wichtig für Neukunden: Bei Abschluss ist die Teilzahlung der Kreditkartenrechnung voreingestellt. Allerdings verlangt Hanseatic auf die Restschuld 13,6 Prozent Zinsen (effektiv) pro Jahr. Um das zu vermeiden, sollte die Funktion im Kundenportal einmalig auf Vollzahlung umgestellt werden. Wichtig auch: Je nach Bonität gewährt die GenialCard bis zu 2.500 Euro Verfügungsrahmen. Dann ist Schluss.

Von der GenialCard gibt es zwei Klone: Die Awa7 Visa-Kreditkarte bietet dieselben Features wie die GenialCard, punktet aber zusätzlich im Bereich Nachhaltigkeit: Je 100 Euro Umsatz wird ein Baum gepflanzt. Dafür ist der Zins auf die Restschuld mit effektiv 16,79 Prozent etwas teurer.

Die Deutschland Kreditkarte Classic bietet auch dieselben Features, ist aber mit 16,79 Prozent effektiv genauso teuer wie die Awa7, ohne dass Bäume gepflanzt werden. Dafür gibt es zum Beispiel fünf Prozent Rabatt auf Reisen, die über den Partner Urlaubsplus gebucht werden.

Der britische Finanzdienstleister Barclays bietet mit der Barclays Visacard einen großen Namen, der überall auf der Welt bekannt ist. Dafür bekommen die Kunden bei Barclays ebenfalls weltweit kostenlose Bargeldabhebungen, aber nur, wenn sie umgerechnet wenigstens 50 Euro am Automaten ziehen. Auch diese Karte ist bei Vertragsabschluss erstmal auf Teilzahlung eingestellt, was bei Barclays teuer werden kann. Satte 18,38 Prozent verlangt die Bank an Zinsen (effektiv) pro Jahr. Wer immer solvent ist und seine Monatsabrechnungen auf einen Schlag zahlt, muss sich darum gleichwohl nicht kümmern. Und: In der Option „Ratenkauf“ sinkt der Zins, je länger man Barclays-Kunde ist.

Kunden, die ab und an in einen Shopping-Rausch verfallen, sollten einen Blick auf die Payback Visa Flex+ werfen. Diese Kreditkarte sammelt die Bonuspunkte aller Payback-Partner sofort mit ein. Außerdem bietet sie kostenloses Bargeldabheben in der Eurozone und im Ausland und berechnet kein Auslandseinsatzgeld. Vorsicht: Hier ist die Teilzahlung auf lediglich zehn Prozent des Rechnungsbetrags voreingestellt. Der Sollzinssatz dafür beträgt 13,15 Prozent. Damit gilt auch hier: Möglichst schnell auf Vollzahlung umstellen.

Ein Klassiker im Segment der kostenlosen Kreditkarten ist die gebührenfreie Mastercard Gold von Advanzia. Dieselbe Karte gibt es auch unter dem schicken Namen payVIP Mastercard Gold: Beide Karten verzichten auf eine Auslandseinsatzgebühr, bieten die Goldcard-typische Reiseversicherung, wenn die Reise mit der Karte bezahlt wird, sowie Rabatte auf Reisen und Mietwagenbuchungen. Knackpunkt beider Karten ist die Bargeldabhebung. Hier werden Zinsen taggenau vom Zeitpunkt der Abhebung am Automaten berechnet. Advanzia gibt dafür einen scheinbar geringen Nominalzins von 1,49 Prozent an. Dieser gilt jedoch monatlich und summiert sich damit effektiv auf recht happige 19,44 Prozent per annum. Die Abrechnungen müssen außerdem per Überweisung gezahlt werden (kein automatischer Geldeinzug) – also bloß nicht vergessen, die Rechnung gleich zu bezahlen.

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